Kinderfreundliche Cafés in Zürich

Von Florina Schwander, 15. Dezember 2016

Die aufmerksame Leserin dieses Blogs hat es schon mitgekriegt: Ich mag Kaffee. Mit kleinen Kindern ist Kaffeetrinken natürlich nicht mehr dasselbe wie früher und das ist auch ok. Und trotzdem gehe ich gerne mal in ein Café, sei das zum Füttern der Messieurs oder um mit der Duchess ein bisschen Mutter-Tochter-Pixie-Zeit zu geniessen und einen Babyccino zu trinken. Denn, und das ist der positive Teil dieses Posts, die „Kaffee“-Liebe ist erfolgreich bei ihr angekommen.

Und jetzt zum Negativen: Wie oft habe ich also „kinderfreundliche Cafés Zürich“ gegoogelt, wie oft mit Freundinnen besprochen, wo es denn einigermassen akzeptabel wäre, mit einem Kinderwagen und krabbel-brabbelndem Kleinkind aufzukreuzen. Ich machs kurz: Es gibt nichts, nicht wirklich. In Zürich gibt es keine wirklich kinderfreundlichen Cafés. Diese Aussage stimmt natürlich so halb, es gibt sie schon, die Cafés mit Spielecke, die Gemeinschaftszentren oder Migros-Coop-Restis, aber so richtig willkommen ist man mit Kind an den meisten Orten irgendwie nicht wirklich, geduldet triffts besser.*

Aber ich bin bekanntlich ein elender Optimist, also liste ich in diesem Post nun alle Cafés auf, die ich als kinderfreundlich einstufen würde. Und bitte, bitte teilt mir eure Orte mit, vielleicht werde ich ja doch noch fündig!

kinderfreundliche cafés in zürich

Die Schoggi war schneller weggeputzt als das Handy gezückt – ein gutes Zeichen. Einen Babyccino und eine feine Schale gibts bei Coffee an der Grüngasse im Kreis 3.

Offensichtlich kinderfreundliche Cafés – und weniger offensichtliche

Für mich gibt es zwei Gruppen Cafés oder Restaurants, es gibt die klar kinderfreundlichen und die weniger klaren. Zu den klar kinderfreundlichen Restis gehören für mich alle Coop- und Migros-Restaurants und natürlich alle Gemeinschaftszentren, die GZs. An diesen Orten gibt es immer eine Wickelmöglichkeit, Sirup oder Babyccinos und meist eine Ecke zum Spielen für die Kleinen. Da habe ich dann – wie in den Familienwaggons der SBB – auch kein schlechtes Gewissen, wenn mal eines meiner Kinder etwas lauter ist. Wenn ich also mal unterwegs dringend ein Kind füttern oder wickeln muss, dann wähle ich meist einen dieser Orte aus. Hier meine Regulars:

  • Coop- und Migros-Restaurants:
    Ich gehe regelmässig ins neue Migros-Restaurant an der Löwenstrasse, vor allem die Terrasse ist dort schön, es gibt auch eine Wickelecke. Minuspunkt: Für die Toilette gleich neben dem Wickeltisch muss man noch einmal quer durchs Resti den Schlüssel an der Kasse holen, zu den normalen Toiletten gibts Stufen. Gerne bin ich auch im Sihlcity, wenns mal regnet oder ich noch etwas einkaufen muss. Es gibt zwar kein gäbiges Restaurant, aber zum Beispiel bei Hitzberger hats feinen Kaffee zum Mitnehmen (der Babyccino steht sogar auch auf der Karte!) und im Coop gibts Take-Away-Food. Im ersten Stock Richtung Kalanderplatz hat es einen Mini-Spielplatz. Im obersten Stock gibt es zudem einen super Stillraum mit Wickeltisch und einen Hütedienst, wenn die Kinder dann ein bisschen älter sind. Auch im Coop City im St. Annahof bin ich gerne, es gibt eine kleine Spielecke, Hochstühle und eine Wickelmöglichkeit.
  • Gemeinschaftszentren:
    Die GZs in Zürich sind der Hit, alle. Ich nutze das Angebot der Stadt Zürich für Familien regelmässig und bin sehr dankbar für das grosse Angebot der verschiedenen Gemeinschaftszentren. Meine liebsten GZs sind das GZ Bachwiesen, Heuried, Wipkingen, Wollishofen und Buchegg. Dort ist man immer willkommen mit Kind und Kegel und es gibt oft auch noch etwas Warmes zu essen, ein Spiel-/Bastelangebot oder einen Mini-Zoo, dort sind wir also häufig.
    Hier sind alle GZs aufgelistet: www.gz-zh.ch
  • Tibits und Hiltl:
    Die Tibits- und Hiltl-Restaurants sind auch praktische Orte für kulinarische Pausen mit den Kleinen. Nebst feinem Essen für Gross und Klein gibt es Tripp Trapps, Wickelmöglichkeiten und eine Spielecke. Kleiner Nachteil: Die Spielecken sind meist im hintersten Teil des Restaurants, verständlicherweise, doch der Weg dorthin ist dann oft eng und mühsam für die anderen Gäste, wenn man sich mit dem Buggy durchschlängeln muss. Oder sogar im unteren Stock, wo man dann Kind und Tablett balancieren muss auf der Treppe. Aber gut, der Kaffee will verdient sein. 😉
  • Weitere Cafés mit einer Kinderecke:
    Feines Essen und eine Spielecke gibt es auch im schönen Elle’n’Belle am Limmatplatz. Vor allem zu Randzeiten lässt es sich dort auch mal gut mit einer Freundin käfelen und dazu die Kinder bespassen. Empfehlenswert ist auch das Fork & Bottle bei der Allmend. Es gibt ein ganzes Spielzimmer für die Kids und im Sommer kann man draussen die Tiere besuchen, einer der entspanntesten Orte für Brunches mit Kindern, wie ich finde. Feine Brunches gibt es auch im Kafi für Dich, die Kinderecke dort ist zudem eine der schönsten mit der grossen Wandtafel. Den Kinderwagen sollte man aber zuhause oder vor der Tür lassen, drinnen gibts dafür keinen Platz. Im Sommer gehen wir auch gerne ins Piazza auf dem wunderschönen Idaplatz. Drinnen ist es zwar auch eng, aber das ist es grad zu Brunchzeiten sowieso, mit oder ohne Kinderhochstühle. Es gibt ein altes Kinderwägeli voller Spielsachen und wenn man draussen sitzen kann, können die Kleinen auf dem Idaplatz spielen oder die Strasse vollkritzeln.Zwei Cafés, die ich selber noch nicht besucht habe, die aber auch kinderfreundlich sein sollen: Der Family Club Wilde Tiere ist zwar ein Club und man muss Mitglied sein (Züri!), der erste Besuch ist aber gratis und es gibt alles, was das Kinder- und Elternherz begehrt. Auch in der neuen Brasserie im Zollfreilager soll es eine gute Spielecke geben und (noch) nicht zu viele Leute. Etwas weiter weg, aber definitiv kinderfreundlich ist übrigens der Indoor-Spielplatz Formel Fun in Bülach.
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Die Duchess und ich im Sommer draussen im D-Vino an der Birmensdorferstrasse bei der Schmiede Wiedikon, Babyccino und Milchkaffe werden gerne auch geext.

Sonstige Orte mit Kids

Gute Erfahrungen mit der Duchess habe ich übrigens vor allem an Orten gemacht, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich kinderfreundlich sind und zum Beispiel selten einen Wickeltisch oder eine Spielecke haben. Es klingt doof, aber in solchen Cafés habe ich die schönsten Begegnungen gemacht, ob jetzt mit anderen Gästen oder Kellnern. Im Café Z am Park gibt es zwar Stufen beim Eingang und null Platz für Kinderwagen und doch sind wir dort schon einen halben Nachmittag lang mit drei Kleinkindern gemütlich im Eck gesessen und haben Büechli, respektive Zeitung gelesen und feinen Schoggikuchen gegessen.
Auch im D-Vino an der Birmensdorferstrasse machen wir ab und an einen Stopp, genauso wie in der Bäckerei Buchmann beim Hubertus. Dort gibt es meistens noch viel Platz und die Bäckerei hat auch ein paar warme Kleinigkeiten zum Essen. Plus: Die Stadtgärtnerei ist gleich ums Eck! Die Bäcki ist natürlich gäbig mit Spielplatz, Kinderecke und Babyccino oder das Restaurant Schönau direkt daneben, wenn die Bäcki voll ist. In der Roten Fabrik (super Spielplatz und Wickeltisch!) sind wir gerne oder auch im Si o No, nach dem „Ryte, Ryte Rössli“ in der Bibliothek, beispielsweise. (Mit den Zwillingen bin ich weniger freestyle-mässig unterwegs, da bin ich nicht ganz so flexibel, was Treppenstufen und Platz angeht. Mit den beiden Jungs gehe ich also eher an Orte wie GZs oder eben Migros-Restis, wo ich sicher bin, dass es Hochstühle, Lifte etc. gibt.)

Die Liste könnte hier noch weitergehen mit nicht offiziell ausgewiesenen Kinderorten. Die Moral von der Gschicht ist aber einfach: Man muss es sich halt einfach trauen und im Lokal seines Vertrauens einfach mal das Kind mitschleppen, wenn es sein muss oder soll. Ein Lächeln, ein aufgeräumter Platz und ein faires Trinkgeld wirken mit oder ohne Kind Wunder und so geniesst man seinen Kaffee gleich doppelt.

* Nachtrag: Ich lese sie schon, die „Coffee-Shaming“-Kommentare von wegen „eine Mutter hat mir ihrem Kind auf dem Spielplatz zu stehen und nichts in einem Café zu suchen“. Ehm, möööp. Wer das gerne schreiben möchte, darf gerne nächstes Mal mit mir und meinen Kids in ein Café kommen, da ist nämlich nichts mit gemütlich Kaffee süffeln und den neusten Tratsch austauschen. Getauscht werden Pixie-Büchlein, gelöffelt wird hauptsächlich Brei und gemütlich wirds auf dem Wickeltisch – vielleicht. Und Mama trinkt den Kaffee meist eh kalt, nachdem erst mal noch die Tripp Trapps mit Feuchttüchlein abgewischt wurden. Und doch ist das für mich Mamalebensqualität, mal wieder einen feinen Kaffee trinken zu können, fremde Menschen anzuschauen und einfach mal raus zu kommen. So.  Und diese Freude spüren die Kinder dann auch und sind zufrieden.

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