Leserfrage: Gleicher Rhythmus bei Zwillingen angewöhnen oder nicht?

Von Florina Schwander, 21. März 2017

Vor kurzem kam ich auf dem Spielplatz mit einer anderen Zwillingsmama ins Gespräch. Ihre beiden Mädchen sind erst wenige Wochen alt und sie hat mich gefragt, ob meine Jungs als Babys „gleich getaktet“ waren oder nicht. Ich glaube, diese Frage stellen sich die meisten Mehrlingseltern früher oder später, sprich: Möchten wir versuchen, dass unsere Babys nach Möglichkeit gleichzeitig schlafen und essen oder lassen wir jedem seinen Rhythmus? Ich nehme die Frage  nach Absprache mit der Mutter hier in dem Blog auf, da vielleicht noch andere Elternpaare gerne mitlesen. Ich habe zudem noch in meinem Zwillingsbekanntenkreis herumgefragt und gebe so noch andere Erfahrungen weiter.

Frage: Soll man bei Zwillingen versuchen, einen ähnlichen Schlaf- und Essensrhythmus anzugewöhnen oder nicht?

Bei uns lautet die Antwort auf die Frage ganz klar „ja“. Ich würde jederzeit wieder versuchen, dass unsere Zwillinge so gut wie möglich eine Art gleichzeitigen Rhythmus bekommen. Ich bin grundsätzlich keine superstrikte Person und habe auch keines meiner Kinder nach einem strengen Muster erzogen so von wegen nur alle vier Stunden gefüttert oder sowas in die Richtung.

Sanft synchron: Unser Rhythmus bei den Zwillingen

Bei den Zwillingen habe ich es aber von Anfang an so gemacht, dass ich sie wirklich schon im Spital und dann auch zuhause wenn immer möglich gleichzeitig, also tandemgestillt habe. Mal war der eine früher hungrig, mal der andere, und so wurden immer gleich beide gefüttert. Hatte dann mal einer Hunger, während der andere noch schlief, dann habe ich auch mal nur einen gestillt, aber wenn beide wach waren, dann habe ich auch grad beide „angedockt“.
In der Nacht allerdings habe ich dann den einen geweckt, wenn der erste Hunger hatte. Das ist mir nicht immer leicht gefallen, weil ich mir schon manchmal gedacht habe, dass das vielleicht nicht ideal ist, immer einen aus dem Schlaf zu reissen. Ich habe aber nie den Eindruck gehabt, dass sie sich am Essens-Wecken gestört haben und zudem habe ich dabei auch an mich gedacht. So konnte ich nach dem Stillen direkt wieder einschlafen, ohne dass ich noch halb wach gelegen bin, weil ich dachte, dass jetzt sicher gleich der andere wach wird zum Trinken.
Da die Messieurs also meist gemeinsam gegessen haben, hat sich im Laufe der Zeit automatisch auch der Schlafrhythmus angepasst. Sie wurden meist kurz nacheinander müde und haben auch meist gleich lange Siestas gemacht. Wenn der eine früher wach war, habe ich den anderen weiter schlafen lassen, allerdings maximal eine halbe Stunde. Künstlich wach gehalten habe ich sie nie, wenn sie müde waren, durften (oder vor allem auch sollten!) sie schlafen.

Familien-Rhythmus mit dem Essen

Mit dem Einführen der Breimahlzeiten ist der Rhythmus dann eh regelmässiger geworden. Ich versuche, die Mahlzeiten gleich zu steuern mit unseren Essenzeiten mit der Duchess, so dass wir als Familie essen können. Auch die Schlafenszeiten sind jetzt seit mehreren Monaten plusminus gleich bei den Zwillingen. Die Jungs schlafen noch zweimal pro Tag und der Mittagsschlaf fällt manchmal sogar mit der grossen Schwester zusammen.

Ich würde das jederzeit wieder so machen mit einem sanften Anpassen des Schlafens- und Essensrhythmus‘ bei den Zwillingen. Ich war zwar recht häufig am Stillen, anfangs, aber dafür hatte ich dazwischen auch noch Zeit für die Duchess, wenn die Babys dann gleichzeitig geschlafen haben, oder mal eine Dusche für mich. Ich muss dazu aber auch sagen, dass die Jungs von der Statur und ihrer Entwicklung her recht ähnlich* sind, so dass das auch einfacher ging, als wenn der eine zum Beispiel noch mehr Schlaf benötigt als der andere. Nachfolgend nun noch ein paar Antworten anderer Zwillingsmütter.

Wie machen es andere mit dem Rhythmus bei Zwillingen?

„Wir haben nach fünf Wochen mit einem strukturierten Tagesplan angefangen. Und da die ersten fünf Wochen gleichzeitig die schwierigsten in meinem Leben waren, hätten wir schon viel früher anfangen sollen. Die Kinder hatten Koliken oder was auch immer – auf jeden Fall haben sie meistens geschrien. Es kam kein natürlicher, ausgeglichener Ich-gehe-Kaffee-trinken-wenn-das-Kind-schläft-Tagesablauf zustande. Wir haben uns dann nach dem 19-7 Uhr Plan von Gina Ford orientiert. Sie schreibt alles vor: Wann die Kinder schlafen, wann sie spielen, wann sie essen und wann die Mutter schläft und isst. Wir haben nur die Schlaf- und Esszeiten der Kinder übernommen. (Wobei es mir vielleicht auch gut getan hätte, mich an den Mutter-Essenszeiten zu orientieren ;-)). Unsere Zwillinge hätten möglicherweise einen unterschiedlichen Tagesrhythmus entwickelt. Aber ich brauche Strukturen, klare Abläufe und weiss gerne, was in der unmittelbaren Zukunft auf mich zukommt. Zugegeben, Zwillinge kriegen ist unter diesen Umständen eine besondere Herausforderung. Doch meine Kinder sind eben meine und es scheint ihnen gleich zu gehen mit den Strukturen.
Für unsere Tochter haben alle Zeiten immer gepasst, und sie gab uns ab dem vierten Monat ruhige Nächte. Der junge Mann hatte ab und zu seine Schwierigkeiten, aber ab dem sechsten Monat hat auch er ohne Zwischenverpflegung durchgeschlafen. Was natürlich nicht heisst, dass es keine anderen nächtlichen Kommunikationsbedürfnisse gibt.
Auch heute haben die beiden einen gleichen Rhythmus. Sie gehen beide sehr gerne um 19 Uhr ins Bett und machen um 13 Uhr einen ein- bis zweistündigen Mittagsschlaf. Es gibt kleine Unterschiede: Die Tochter verzichtet des öfteren auf den Morgenschlaf, der Sohn schläft gelegentlich bis 8 Uhr morgens, manchmal dauert der Mittagsschlaf bei ihm oder ihr nur 45 Minuten. Die besten Spielzeiten sind zwischen 10-11 und 15-16. Früher haben sie auch nachmittags geschlafen, heute brauchen sie zwischen 16 und 17 eine Ruhepause und das heisst wägelen. Gegessen wird seit längerem vier Mal am Tag.“
Die Zwillinge sind 13 Monate alt. Merci Sam fürs Teilen!

„Wir haben erst angefangen, die Mahlzeiten im gleichen Rhythmus zu machen, als die Jungs bereits sieben Monate alt waren. Bei uns war das der Zeitpunkt, wo sie mit Brei angefangen haben. Ab dann wurde mein Leben plötzlich leichter, weil es eben jetzt diesen gleichen Rhythmus gab. Ich konnte ein wenig planen, weil ich wusste, dass sie bis zu einem gewissen Zeitpunkt nicht Hunger haben konnten, weder der eine, noch der andere. Bis dahin war es so, dass ich einfach immer auf Wunsch die Flasche gegeben hatte. Das Resultat war, dass ich dauernd unter Druck stand, dass demnächst das andere Kind wieder Hunger haben könnte.
Wir versuchen schon länger, Benjamin einen Schlafrhythmus anzugewöhnen, damit er ohne Nacht-Schoppen die Nacht durchschläft, bei ihm hat das noch immer nicht geklappt. Als die Jungs klein waren, bin ich oft stundenlang mit dem Wagen durch die Gegend gelaufen. Nur so konnte ich sicher sein, dass sie schlafen und vor allem, dass sie gleichzeitig schlafen.
Heute haben sie immer noch den gleichen Rhythmus für die Mahlzeiten. Ich weiss, dass ich mit einem pünktlichen und gemeinsamen Mittagsschlaf rechnen kann, wenn wir einen aktiven Morgen hatten (Spielgruppe oder draussen im Park). Die Kinder werden relativ früh wach, so zwischen 5.-30-6.00. Das heisst, um 11 Uhr gibt es Mittagessen, denn um 11.30-12 Uhr sind sie wirklich müde. Wie lange sie schlafen ist unterschiedlich, so zwischen ein bis zwei Stunden. Leider habe ich noch nicht herausgefunden, wie ich die Dauer des Mittagsschlafes einschätzen kann. Zumindest nicht auf zuverlässiger Weise. Das heisst, manchmal ist meine einzige Pause gleich nach dem Aufräumen und Vorbereiten für nachher grad schon wieder vorbei … „
Nina mit zweieiigen Zwillingsjungs, knapp 2 Jahre alt. Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht!

„Bei der Geburt hatte einer der Buben Probleme mit seinen Blutwerten, so dass er zehn Tage lang in der Isolette war. In dieser Zeit habe ich immer beide gleichzeitig alle vier Stunden zum Füttern wecken müssen. Das habe ich jeweils gleichzeitig gemacht, damit sie wenigstens da noch kurz zusammen waren. Daheim haben wir das dann so weitergeführt, dass wir den einen geweckt haben, wenn der andere Hunger hatte. Ich kann mich noch gut erinnern, wie eine der Pflegerinnen auf der Säuglingsstation meinte: «Sie sollten die Buben schon synchronisieren, sonst haben sie dann zuhause einen Riesenstress» und ich schon damals dachte, dass das so einfach dann nicht sein würde…Und so kam es dann auch, dass wir gependelt sind zwischen synchronem und individuellem Rhythmus – wenn ich mich einigermassen fit fühlte, liess ich sie selber machen, wenn es mir mal wieder alles zu viel wurde und ich selber angeschlagen war, haben wir wieder synchronisiert. Wenigstens einmal am Tag eine Ruhepause für mich zu haben, war mir schon sehr wichtig, da die beiden lange Zeit schlechte Nachtschläfer waren (5-6 mal aufwachen war normal), häufig krank waren, ich noch ein eigenes Geschäft führte und alle drei Jungs eher in die Kategorie «anspruchsvolle» Kinder gehören. Manchmal merkte ich aber auch, dass ich mir und den Kindern mit dem Wunsch nach Synchronisation noch mehr Stress machte, wenn es einfach nicht klappte, weil zum Beispiel der eine noch nicht müde war. Zu lernen, dass es in diesen Fällen am einfachsten ist, einfach nach dem Konzept ‚go with the flow‘ zu leben, hat mich viel gekostet.
Heute sind sie sehr ähnlich im Rhythmus, sie stehen morgens meistens innerhalb von ca. 15 Minuten nacheinander auf, schlafen am Mittag gleichzeitig ein und abends auch. Auch mit Essen und sogar mit den WC-Gängen sind sie erstaunlich gleichgeschaltet. Und Durchschlafen ist nun auch im Repertoire – jeeeh!“
Eva hat drei Jungs, einen Sechsjährigen und zweijährige Zwillinge, eineiig. Ein grosses Merci für deine Zeilen! 

Gleicher Rhythmus, gleiche Interessen?! 😉

* Wir wissen nicht, ob sie eineiig sind, vermuten es aber. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei körperlich sehr unterschiedlichen Mehrlingsbabys vielleicht schwieriger ist, einen ähnlichen Rhythmus zu bekommen.

Kommentare