Die etwas andere Challenge zum Weltkindertag

Von Florina Schwander, 1. Juni 2017

Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich könnte ab und zu eines meiner Kinder an die Wand klatschen, gerne auch mal alle drei zusammen. Manchmal fehlt mir jegliche Geduld, Gelassenheit und überhaupt jegliche Art von gesundem Menschenverstand, ich möchte einfach nur noch meine Ruhe oder zumindest selber schreien.

Bild: iStockphoto

Natürlich sind weder die Duchess noch die Messieurs jemals an der Wand gelandet. So schnell wie ich jeweils auf der Palme oben bin, so schnell bin ich auch wieder geerdet. Nun, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber zumindest denke ich auf dem Boden der Tatsachen jeweils mit schlechtem Gewissen, wie lächerlich doch mein Verhalten ist. Einmal durchatmen und alles wäre halb so tragisch. Einem Kind kann man das schlecht erklären, ich aber sollte es besser wissen. Und tue das auch, aber eben, im Moment selber, da brennts mir lichterloh aus den Ohren in wahrster Ducksli-Manier. Und dann denke ich jeweils daran, wie unverhältnismässig mein Ärger doch ist.

Demütig relativieren oder relativierte Demut

Wenn ich mich jemals tätowieren lassen sollte, dann stünden da: „Demut“ und „relativieren“ (obligat in Schnörkelschrift und mit Rechtschreibfehler). Vor allem das Relativieren nehme ich mir gerade in solchen Situationen zu Herzen. Wie viele Menschen können keine Kinder kriegen? Wie vielen Kindern, Familien, Müttern geht es so viel schlechter als mir und uns? Ich bin Pragmatikerin und weiss, ich kann weder den Krieg in Syrien lösen, beispielsweise, noch kann ich meine Geduld plötzlich um ein hundertfaches steigern. Was ich aber kann: Mir mein Glück immer wieder bewusst machen, einmal durchatmen, zweimal durchatmen und mein Generve relativieren.

Weltkindertag

Ganz konkret nehme ich mir am heutigen Weltkindertag vor, dass ich mal einen Monat lang für jedes innerliche An-die-Wand-klatschen einen Fünfliber in ein Kässeli werfe. Die etwas andere Challenge, quasi. Es geht nicht darum, dass ich für meine Sünden zahlen muss oder so einen Seich, das Generve ist ganz natürlich und ich werde und will es nicht komplett abstellen. Aber ich möchte nie vergessen, wie lächerlich meine Sorgen sind, wenn ich sie etwas grösser skaliere. Ich darf mich nerven, aber ich möchte auch konkret etwas für die machen, die meine Nerven wieder relativieren und ganz demütig machen.

Die etwas andere Challenge

Am Ende des Monats werde ich die Summe aufrunden und an eine der fünf Organisationen überweisen. Ich würde mich freuen, wenn ihr auch mitmacht! Es geht nicht darum, sich gegenseitig finanziell hochzupushen oder irgendwelche Wettbewerbe zu starten, wer die nervigsten Kinder hat. Mir gehts bei dieser „Challenge der anderen Art“ lediglich darum, dass sich jede und jeder seines Glücks bewusst ist, immer wieder und dass man konkret etwas macht für solche, die eben nicht so viel Glück haben.

  • Nothilfe für syrische Kinder auf der Flucht: Unicef unterstützt speziell syrische Kinder auf der Flucht. Hier kann man spenden: www.unicef.ch.
  • SOS-Kinderdorf: Die Organisation SOS-Kinderdorf ist in über 130 Ländern aktiv und unterstützt gefährdete Kinder/Familien. Hier kann man spenden oder eine Patenschaft lösen: www.sos-kinderdorf.ch
  • Tiny Miracles Foundation: Gründerin Laurien Meuter verspricht, dass 100 Prozent der Spenden direkt weitergegeben werden an die unterstützte Gemeinschaft in Mumbai. In der Gemeinde der Pradeshi werden Kinder und ihre Eltern ausgebildet und so ganzheitlich unterstützt. Mehr dazu: www.tinymiraclesfoundation.com
  • Pro Infirmis: Unterstützt Menschen mit speziellen Bedürfnissen, Kinder und Erwachsene. www.proinfirmis.ch
  • Caritas Zürich: Das internationale Hilfswerk unterstützt gezielt bedürftige Kinder und Erwachsene im Kanton Zürich. Man kann spenden, sich engagieren oder eine Patenschaft übernehmen: www.caritas-zuerich.ch.

Gleichzeitig werde ich mir morgen auch eine Flasche Prosecco kaufen, denn mein Credo lautet normalerweise: Jammern darf jeder, egal über welches Thema. Wenn das Glas Prosecco dann aber leer ist, dann muss man entweder etwas ändern am Grund des Generves oder aber man hört auf zu jammern. Und nein, auch das Prosecco-Glas will ich nicht an die Wand schmeissen.

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