Leserfrage: Welches ist der perfekte Kinderwagen?

Von Florina Schwander, 28. Juni 2017

Es war eine unserer ersten Entscheidungen bei der Duchess: Was sollen wir nur für einen Kinderwagen kaufen? Wir fragten uns durch den Freundeskreis und im Fachgeschäft erhielten wir dann die beste Antwort überhaupt: „Den perfekten Kinderwagen gibts nicht, sonst würden wir nicht zig verschiedene Modelle verkaufen, sondern nur eins.“ Bäm, da haben wirs.

Leserin Mimi fragte mich per E-Mail, ob ich zufrieden bin mit meinem Zwillingskinderwagen und welches denn für mich der perfekte Kinderwagen sei. Ja, mit meinem Zwillingskinderwagen bin ich sehr happy, für mich gehört der Mountain Buggy Duet zum perfekten Kinderwagen und auch mit dem „Einlingswagen“ war ich sehr zufrieden, aber das ist wirklich subjektiv, siehe auch die Antwort der eingangs erwähnten Fachverkäuferin. Allerdings habe ich bei beiden Kinderwagen nach wenigen Monaten das Modell gewechselt, nach wenigen Monaten den Kinderwagen gewechselt, weil ich* doch nicht zufrieden war …

Bild: iStockphoto

„Einling-„Kinderwagen: Bugaboo Cameleon3 und TFK Joggster Twist

Kaum war ich schwanger, haben mein Mann und ich angefangen zu starren. Begegneten wir einem Paar mit Kind, starrten wir auf den jeweiligen Kinderwagen und versuchten die Marke zu erspähen. Schnell konnten wir Kategorien bilden: Die Eltern mit den hochgestellten Kragen und den Perlohrringen fahren …, die mit den Trekkingschuhen schieben … und die ultimativen Hipster haben einen … Ich will hier niemandem an den „(Kinder-)Karren“ fahren, deswegen lasse ich die jeweiligen Marken hier bewusst frei. Sisterhood in Motherhood, remember?

Da wir uns keiner Gruppe sofort zugehörig fühlten, haben wir folgende Fragen in Bezug auf die Wahl unseres Kinderwagens durchdiskutiert:

  • Drei oder vier Räder
    (Spielt im Nachhinein keine grosse Rolle, ich merkte bei der Stabilität keine grossen Unterschiede. Ich bin sowieso immer rückwärts zum Tram/Bus herausgefahren.)
  • Eher grosse oder kleine Räder (eher Stadt- oder Landgefährt)
    (Ich würde tendenziell grosse, luftgefüllte Räder wählen und für kurze Wege in der Stadt oder die Ferien einen Buggy nehmen)
  • Passt der Kinderwagen in ein altes Tram
    (Da ich hauptsächlich mit den ÖVs unterwegs bin und es in Zürich leider immer noch ein paar alte Trams gibt, ist das für mich ein wichtiger Punkt. Allerdings komme ich sogar mit dem Mountain Buggy Duet rein, ich brauche einfach eine starke Hochhebhilfe.)
  • Passt der Kinderwagen in unseren Kofferraum
    (Wenn wir einen Ausflug machen, sind wir gerne auch mal mit dem Auto unterwegs. Wir haben also alle Modelle probeweise zusammengeklappt und geprüft, ob sie in unseren Kofferraum passen.)
  • Drehbarer Sportsitz
    (Vielen Kindern gefällts, wenn sie beim Sitzen erst einmal die Eltern anschauen können und erst nach einer Weile vorwärts, also weg von den Eltern, schauen. Ist für mich ein nettes Plus, aber kein Muss.)
  • Wie gut lässt sich die Wanne abnehmen und tragen
    (Wir wohnen im dritten Stock ohne Lift und die Duchess habe ich oft schlafend in der Wanne hochgetragen. Mir war wichtig, dass ich die Wanne einfach herausnehmen und tragen kann, das war mir wichtiger als die Möglichkeit, den Maxicosi reinzuknipsen, zum Beispiel.)
  • First- oder Secondhand
    (Das ist der Vorteil von teuren Marken-Kinderwagen: Es gibt ein gutes Secondhand-Angebot und man kann sie auch relativ gut wieder weiter verkaufen.)
  • Buggyboard
    (Für die Duchess haben wir ein Stehbuggyboard mitgekauft beim Zwillingswagen. Sie wollte allerdings nie lange darauf stehen, so dass ich im Nachhinein eher ein Buggyboard mit Sitz nehmen würde, falls überhaupt. Im Endeffekt habe ich eh meist einen der Zwillinge getragen und sie mit in den Wagen gesetzt, wenn ich alleine mit allen dreien unterwegs war.)
  • Neben- oder hintereinander (bei den Zwillingen)
    (Ich habe alle Argumente gelesen, bis jetzt bin ich sehr zufrieden mit der Nebeneinander-Variante. Und ja, klar zanken die Messieurs ab und zu, allerdings bis jetzt noch nicht im Wagen. Ich finds praktisch, dass ich beide im Auge habe und beide gleich nah bei mir sind, wenn ich mich vor sie setze.)

Um es kurz zu halten, wir haben uns bei der Duchess für einen Secondhand Bugaboo Cameleon3 entschieden. Wir wohnen mitten in der Stadt, sind ab und zu draussen unterwegs, haben aber auch eine Wandertrage gekauft. Die Marke Bugaboo ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten im Markt, wir wurden also schnell fündig. Warm wurde ich hingegen nie so richtig mit unserem Modell und nach gut sechs Monaten wechselten wir auf den TFK Joggster Twist. Der Wechsel erfolgte hauptsächlich aus diesen zwei Gründen: Mir war der Bugaboo zu tief und das Bücken strengte mich an, zumal die Duchess den Nuggi gefühlt 100x pro Minute verlor oder ich sie sonst wie schnell tätscheln wollte. Und dann war ich doch öfter auf Kies- oder gröberen Steinstrassen unterwegs und dort fand ich ihn doch arg holprig. Mit dem TFK war ich höchst zufrieden, bis sich dann die Jungs angemeldet haben.

Zwillingswagen: Baby Jogger City Select und Mountain Buggy Duet

Von oben links im Uhrzeigersinn: Bugaboo Cameleon, TFK Joggster Twist, Mountain Buggy Duet und Baby Jogger City Select.

Bei der zweiten Schwangerschaft dachte ich: Ha! Zumindest die ganze Materialschlacht inklusive Kinderwagen kann ich mir sparen, wir haben ja schon alles! Bäääm zum Zweiten, falsch gedacht. Die Materialschlacht fing wieder von vorne an. Der TFK Joggster Twist kann zwar als Geschwisterwagen benutzt werden, aber ein Geschwisterwagen ist nicht gleich Zwillingswagen, wie ich lernen musste. Wieder habe ich mich also durch Foren gewühlt, die paar wenigen Freunde mit Zwillingen ausgequetscht und mich für einen gebrauchten Baby Jogger City Select entschieden. Diesmal war ich von Anfang an nur halb motiviert, da mir die Wagen mit den Kindern nebeneinander grundsätzlich sympathischer sind. Da unser Hausgang aber nicht sehr breit ist, haben wir uns für die schmalere Hintereinander-Lösung entschieden.

Zufälligerweise bin ich dann auf Ricardo über den Zwillingswagen von Mountain Buggy gestossen, den Duet, und habe ihn, ursprünglich als Zweitwagen gedacht für die Oma, zu einem super Preis ersteigert. Einmal ausprobiert war ich so begeistert, dass wir den alten weitergegeben haben und nun nur noch den Mountain Buggy Duet benutzen. Er ist minim breiter als der Baby Jogger, so dass wir den Gang nicht komplett zustellen und ich komme mit wenigen Ausnahmen durch alle Kassen, Lifttüren, und so weiter.

Das also meine sehr persönliche Erfahrung mit unseren „perfekten Kinderwagen“. Es war beide Male ein Act, doch ich bin froh, haben wir nochmal gewechselt. Ich bin (und war) höchstzufrieden mit dem TFK und dem Mountain Buggy. Was könnt ihr empfehlen an Kinder-, Geschwister- oder Zwillingswagen?

* Die Betonung liegt wirklich auf dem ich, denn meinen Mann war bei der Wahl des Kinderwagens sowohl bei der Duchess wie auch bei den Messieurs viel unkomplizierter (oder anspruchsloser) als ich.

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