Das Facebook-ABC für Eltern

Von Florina Schwander, 1. September 2017

Bild: iStockphoto.com

 

Während der Schwangerschaft mit den Zwillingen habe ich Facebook noch einmal neu entdeckt. Ich bin mehreren Gruppen beigetreten, die mir unter anderem bei den Themen „stillen“ und „tragen“ speziell bei Zwillingen sehr weitergeholfen haben. Nebst Antworten habe ich aber auch sehr viel Amüsement in diesen und anderen Kids-Gruppen gefunden. Daraus resultiert nun mein Facebook-ABC, das nicht ganz (Malz-)bierernst gelesen werden sollte.

  • A wie anlegen, anlegen, anlegen. Egal welches Thema, in der Stillgruppe lautet die Antwort immer „anlegen, anlegen, anlegen“. Beim ersten Mal lesen hatte ich sofort eine dramatische Szene aus irgendeinem Kriegsfilm vor Augen. Ähnlich unpassend wie die Antwort an sich.
  • B wie Babybjörn. Wer gerne einem Shitstorm auf Posting-Ebene vermeiden möchte, der sollte das Wort „Babybjörn“ in den Tragegruppen nicht verwenden. (Das gilt lustigerweise nur für die deutschsprachigen Tragegruppen, die englischen sind meist viel toleranter.)
  • C wie clustern. Direkt nach dem „anlegen, anlegen, anlegen“ folgt in den Stillgruppen dann meist die Erklärung, dass das jeweilige Baby halt „clustere“, also eine Phase des Dauertrinkens durchläuft, weil es zahnt, die Milchproduktion anregen will, unruhig ist, die Geburt verarbeitet, den Wetterumschwung merkt oder lieber ins Kino möchte – vieles wird mit clustern und anlegen, anlegen, anlegen erklärt oder abgetan, das ist dann Ansichtssache.
  • D wie Do it yourself, bitte, damit ich es nicht machen muss. In speziellen Bastelgruppen sieht man, was man beispielsweise mit geschmolzenen Plastikbechern alles anfangen kann. Kann man sich merken fürs nächste Tasteless-Wichteln.
  • E wie elastisches Tuch. In den Tragegruppen merkt man schnell, dass die Meinung vorherrscht, dass man eigentlich nur im Tuch tragen sollte. Elastische Tücher sind da allerdings ausgenommen. Merke, es wird kompliziert und Tuch ist nicht gleich Tuch.
  • F wie Fräulein Hübsch oder Kokadi Flip. Anfangs musste ich gefühlt jeden zweiten Namen in der Tragegruppe googeln, weil ich diese Tragehilfen alle nicht kannte. Und nein, Mei Tai ist kein Drink.
  • G wie günstig. In den Verkaufsgruppen muss alles günstig sein. Suche günstig, günstig abzugeben, etc. In meinem Schlafmankodelirium habe ich aus Versehen einmal rünstig gelesen und auf blutrünstig geschlossen … ein Facebook-Freudscher, quasi!
  • H wie Hilfe. Ich verstehe nach wie vor nicht, wie Eltern Fotos von Ekzemen, Mückenstichen aka Spitzenblattern oder sonstige Wehwehchen ihrer Kinder auf Facebook stellen und um medizinischen Rat bitten. Vielleicht sollte Facebook das als Geschäftsfeld weiter verfolgen und sowas wie Medchat lancieren? Mit lustigen Filtern sieht doch jeder Hautausschlag gleich lustiger aus.
  • I/J wie Just for cuteness alert. In englischsprachigen Gruppen werden oft Kinderfotos zu den Posts gestellt, damit Facebook den Post auch oft anzeigt und die Leute darauf reagieren. Niedliche Fotos als Eye-Click-Catcher, quasi.
  • K wie kaufen. Es gibt spezielle Zwillingsflohmarktgruppen, Spielzeugbörsen und viele mehr und auch wenn ich für die guten Angebote oft zu spät bin oder sie in meinem Feed verpasse, ich habe schon wirklich gute Käufe gemacht. In den Paketen lag oft noch ein handgeschriebenes Briefli mit dabei und mehrfach haben ich Käufe oder Verkäufe über mein Milchkästli abgewickelt, Vertrauen gegen Porto – hat immer funktioniert. Schön!
  • L wie Liebe Mamis. Wo sind eigentlich die ganzen Papis auf Facebook? In den meisten meiner Gruppen diskutieren/verhandeln die Mütter. Haben die nichts besseres zu tun als immer am Handy zu sitzen, denken jetzt sicher einige? Ich sage: Frauen sind halt vielleicht doch die besseren Netzwerker.
  • M wie Malzbier. Aktivierte Bockshornkleekapseln, oder eben Malzbier, es gibt zig Möglichkeiten, die eigene Milchproduktion anzukurbeln.
  • N wie das Nagel-Icon. Wer mit einem Pin oder einem Nagel kommentiert, folgt der Diskussion und wird über neue Kommentare benachrichtigt.
  • O wie oben oder up. In den meisten Verkaufsgruppen darf man seine Verkaufsbeiträge einmal pro Woche hochsetzen oder pushen. Mit einem Kommentar wird der Post erneut angezeigt oder rutscht zumindest bei einigen nochmal in den Feed herein.
  • P wie Pre oder Pumi. Gäbe es ein Unwort unter den Stillfanatikerinnen, es würde wohl Pre lauten. Man verstehe mich nicht falsch, aber ich habe Mühe mit jeglicher Art von Fanatismus, Pumi und Mumi gleichermassen.
  • R wie rauch- und tierlos. Unbedingt anfügen, wer etwas verkaufen will. (Es muss natürlich stimmen.)
  • S wie SSC: Soft Structured Carriers. Ich musste etliche Abkürzungen googeln, als ich mich ums Tragen von Zwillingen schlau gemacht habe auf Facebook. Siehe auch unter F wie Fräulein Hübsch.
  • T wie Trageberatung. Das Anlegen der Stillgruppen sind die Trageberatungen der Tragegruppen. Und bevor ihr jetzt wutentbrannt in die Tasten haut, ich habe eine Trageberatung gemacht. Sie war grundsätzlich gut, allerdings nicht in Bezug aufs gewünschte doppelte Tragen der Messieurs, das aber ein anderes Thema.
  • U wie Umschlag. Um teures Porto zu spären, soll möglichst alles in einem Umschlag verschickt werden. Sogar Skianzüge werden vakuumiert, siehe nächster Buchstabe.
  • V wie vakuumieren. Mamis mit Vakuumiermaschinen (!) zuhause verdünnisieren Kleider, damit sie in ein wattiertes Kuvert passen mit maximal zwei Zentimetern Dicke. Ich habe wieder etwas gelernt!
  • W wie Will wirklich das wirklich niemand kaufen? Ehm nein, jetzt noch weniger als vorher.
  • Z wie Zwillingsmafia. Ich habe vor allem in Bezug auf die Zwillinge wirklich viel Nützliches und vor allem auch andere nette Zwillings-Mütter getroffen auf Facebook. Nebst unterhaltsamen Aufregern habe ich Facebook also wirklich noch einmal wiederentdeckt.

Dieser Post erschien zuerst auf dem Mama-Blog. Ich freue über eure Erfahrungen mit Facebook mit und ohne Nachwuchs. 

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